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Lebenslanges Lernen – Bildung ist die beste Lebensversicherung

Lebenslanges Lernen – Bildung ist die beste Lebensversicherung

Versicherungen dienen der Abwälzung möglicher Folgen eintretender Risiken. Schweizerinnen und Schweizer sind das bestversicherte Volk der Welt. Unsere persönliche Position am Arbeitsmarkt ist durch Chancen und Risiken geprägt. Wie hoch ist ihre persönliche Bildungsprämie?

Risiken sind aus der Unvorhersehbarkeit der Zukunft resultierende Störungen, die uns bei Eintreten am Erreichen der Ziele hindern und uns einen Schaden zuführen können. Risiken sind untrennbar mit Chancen verbunden. Wer die Chance packen will, vorwärtszukommen, muss dabei auch Risiken eingehen. Wir lernen früh, Chancen und Risiken abzuwägen. Später werden uns Methoden des Risikomanagements vermittelt, die uns befähigen, ein Risiko hinsichtlich seiner Eintretenswahrscheinlichkeit und seiner möglichen Auswirkungen zu verstehen, zu bewerten und durch geeignete Massnahmen die Gefahr zu reduzieren. Wir sind in der Lage, Massnahmen gegen das Eintreten eines Risikos (Prophylaxe) oder gegen die Folgen des eingetretenen Risikos zu ergreifen. Lassen sich die Folgen nicht mehr durch Einzelne tragen, landen wir beim Grundprinzip der kollektiven Schadenübernahme, der Versicherung. Ursprünglich waren Versicherungen ausschliesslich für Risiken gedacht, deren Folge die Einzelbetroffenen nicht selbst tragen können. Wohlstandsgesellschaften sind Nährboden für immer neue Formen von Versicherungen, da Geld für neue Produkte vorhanden ist. In einer deutschen Studie wurden die zehn unnötigsten Versicherungen analysiert. Drei Beispiele: Eine Sterbegeldversicherung, eine Hochzeitsrücktrittsversicherung und die Handyversicherung. Alle drei Beispiele zeichnen sich dadurch aus, dass die Kosten die möglichen Leistungen bei Schadeneintritt übersteigen.

Bei der Hochzeitsrücktrittsversicherung – wer glaubt während den Hochzeitsvorbereitungen nicht an die Chancen – ist die Eintretenswahrscheinlichkeit äusserst gering. Bei der Handyversicherung wird ein Risiko abgedeckt, welches niemandem einen Schaden zufügt, der nicht individuell tragbar wäre.

Für uns als Individuum auf dem Arbeitsmarkt stehen als Ultima Ratio die Mittel der kollektiven Schadenübernahme in Form von Arbeitslosenversicherung und Sozialwerken bereit. Unser Weg durch den Arbeitsmarkt ist ein von Chancen und Risiken begleitetes Vorwärtsgehen, wir treffen auf Probleme und Lösungen. Die genannten gesetzlichen Absicherungen sind auf den Fall einer Krise oder gar Katastrophe ausgerichtet. Fassen wir es als Arbeitslosigkeit zusammen.

Bildung, lebenslanges Lernen, sich neue Kompetenzen anzueignen sind nachhaltige Massnahmen der Prophylaxe, um auf dem Lebensweg – beruflich und in der Freizeit – mehr Chancen als Risiken zu begegnen. Bildungsaktivitäten leisten wertvolle Beiträge, um das Risiko einer eintretenden Sinn- oder gar Arbeitslosigkeit markant zu reduzieren. Berufliche Aus- und Weiterbildung sind nicht Kosten, die als Beitrag an eine kollektive Versicherung – verbunden mit der Hoffnung, nie davon profitieren zu müssen – geleistet werden. Zeit und Geld für die persönliche Kompetenzentwicklung sind Investitionen, Investitionen die sich in Form von Lebensfreude, höherem Einkommen, Sicherheit auf dem Arbeitsmarkt und reduzierter Risiken. 

Studierende der HF Wirtschaftsinformatik HKV Aarau im Simulationstraining

Die Bedeutung der Work-Life-Balance ist vieldiskutiert. Meist wird zur Visualisierung eine Pendelwaage gezeigt, in der einen Waagschale liegt die Last der beruflichen Tätigkeit. In der anderen Waagschale gleichen Elemente wie private Angelegenheiten und Erholungsphasen aus. Diese Darstellung suggeriert, dass WORK immer Last und LIVE immer Ausgleich ist. In der vertieften Auseinandersetzung geht es darum, berufliches und privates Leben in Balance zu bringen. Viele Fachbeiträge erwähnen vier entscheidende Säulen der Work-Life-Balance:

  • Das berufliche Leben – Karriere, Erfolg und Geld
  • Alles, was Ihre Sinne anspricht – Liebe, Kunst und Selbstverwirklichung
  • Gesundheit und Körper – bewusste Ernährung, Entspannung und regelmäßiger Sport
  • Die soziale Komponente – Familie, Freunde, Anerkennung

Berufliche Aus- und Weiterbildung hilft, im Beruf eine Aufgabe die Freude macht einnehmen zu können. Die Möglichkeiten, selbstbestimmt eine Aufgabe, die persönlichen Sinn stiftet, die Basis für Selbstverwirklichung, Erfolg und angemessenes Einkommen, schafft wählen zu können, mehren sich um ein Vielfaches. Handlungsorientierte Kompetenzerweiterung durch Bildung fördert zusätzlich die Effizienz, mit der die gewählte Aufgabe bewältigt werden kann. Trotz erfüllender beruflicher Tätigkeit bleibt mehr Zeit für Entspannung, Sport, Familie und Freunde.

Höheres Einkommen dank Weiterbildung

Weiterbildung zahlt sich finanziell deutlich aus. Gemäss Zahlen, die das Bundesamt für Statistik (BFS) im Januar veröffentlich hat, steigt das Medianeinkommen von Absolventinnen und Absolventen der höheren Berufsbildung innert 10 Jahren um 46% an. Sechs Jahre nach Erwerb eines Abschlusses der höheren Berufsbildung (HBB) beträgt das monatliche Medianeinkommen der Absolventinnen und Absolventen rund 7800 Franken für eine Vollzeitstelle. Fünf Jahre vor dem Abschluss belief sich ihr Einkommen auf 5300 Franken, d. h. 2500 Franken weniger.

Freie Jobwahl dank Weiterbildung

Alle Branchen leiden unter Fachkräftemangel. Die Informations- und Kommunikationstechnologie gehört zu den Branchen, denen am meisten Fachkräfte fehlen, zehntausende offene Stellen gestalten den Arbeitsmarkt für Berufsleute äusserst attraktiv. Wissenschaftliche Trenddaten prophezeien eine Zunahme des Mangels in den nächsten Jahren. Da erscheint es auf den ersten Blick unverständlich, dass das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco)  im Dezember vermeldet hat, dass die Arbeitslosenquote in der Informatik höher liegt, als der Schweizer Durchschnitt. Die Begründung liegt in fehlender Aus- und Weiterbildung, in vernachlässigtem lebenslangem Lernen. Die Qualifikation als Fachkraft muss erworben und laufend gepflegt werden. Die digitale Entwicklung, die digitale Transformation der Gesellschaft und dadurch die Anforderungen an Fachkräfte sind einer dauerhaften und rasch voranschreitenden Entwicklung unterworfen. Aus dieser Situation ergeben sich grosse Chancen. Sie zu realisieren wird trotz Fachkräftemangel kein Selbstläufer, die Bereitschaft der Einzelnen zur lebenslangen Weiterentwicklung ist der Schlüssel zum Erfolg.

Bildung sichert die Lebensqualität

Persönliche Bildung leistet vielschichtige Vorsorgeleistung gegen das Eintreten von Risiken auf dem Lebensweg und zur rascheren und wirkungsvolleren Bewältigung auftretender Probleme. Während klassische Lebensversicherung primär gegen Risiken eingesetzt werden, die nach dem Tod eintreten, also auf die berechtigte und sinnvolle Absicherung von Hinterbliebenen ausgerichtet sind, ist Bildung das Instrument zur positiven Beeinfluss des persönlichen Lebens.

Höchste Erwerbstätigkeitsquote in der Höheren Berufsbildung

Die Auswertung des BFS zum Arbeitsmarktstatus nach Bildungsstand zeigt, inwieweit Personen mit einem bestimmten Bildungsniveau vom Arbeitsmarkt nachgefragt werden. Die Erwerbstätigenquoten nach den verschiedenen Bildungsniveaus sind tendenziell stabil und zeigen folgende Beobachtung: Je höher das Ausbildungsniveau, desto höher die Erwerbstätigenquote. Für Personen ohne postobligatorische Ausbildung ist die Erwerbstätigenquote deutlich niedriger und das Arbeitslosigkeitsrisiko höher. Die tiefste Arbeitslosenquote weist dabei die Personengruppe mit einem Abschluss der Höheren Berufsbildung aus, also Berufsprüfungen, höhere Fachprüfungen oder das eidgenössisch anerkannte Diplom einer Höheren Fachschule. Diese Tatsache begründet sich aus den Vorteilen der berufsbegleitenden, praxisorientierten Ausgestaltung dieser Abschlüsse.

Die Schweiz hat nicht nur die höchste Versicherungsabdeckung. Sie stellt auch ein einzigartig vielfältiges und erfolgreiches Bildungssystem bereit. Chancenbasis made in Switzerland! Lebenslange Weiterbildung ist die wirkungsvollste Massnahme gegen das Eintreten zahlreicher Risiken auf dem beruflichen und privaten Lebensweg. Wann hast du deine letzte Prämie geleistet?

Reto De Martin ist Inhaber der Firma Force4project und Geschäftsleiter von VIW.

Andrea Meier

Autor Seit: 04/07/2022